Pressestimmen
Fonoforum
berichtet in seiner Ausgabe Mai/2007 über vier Marionettentheater: Das
Salzburger, die Augsburger, Düsseldorfer und Müllers Marionetten-Theater. Wir geben den umfangreichen Artikel von Jörg Hillebrand
hier auszugsweise wieder.
„ ... Sein Kollege Günther Weißenborn ist da anderer
Meinung. „Oper und Marionetten passen nur in Einzelfällen zusammen“,
sagt der studierte Musikwissenschaftler, der zunächst als Dramaturg tätig
war, bevor er eine Puppenspielerin heiratete und mit ihr zusammen 1983
„Müllers Marionettentheater“ gründete. In ihrer Wuppertaler
Spielstätte, einer ehemaligen Kneipe, die noch kleiner ist als die in
Düsseldorf, haben sie „Die Entführung aus dem Serail“ inszeniert, aber
nach vierzig Vorstellungen wieder vom Spielplan genommen, „weil wir die
Puppen nicht genug beseelen und die deftige Komödiantik, wie gute
Sängerdarsteller sie beherrschen, nicht liefern konnten“, so Weißenborn.
Ihn interessieren nicht die neuen szenischen Dimensionen, die das
Puppentheater dem Regisseur eröffnet, sondern nur „die innere
Befindlichkeit der Figuren“, und er ist überzeugt davon, dass ein
Puppenspieler diese auch zum Ausdruck bringen könne – „wie ein Pianist,
der ja auch nicht selbst singt“. Nur funktioniere das eben nicht mit jedem
Stück.

Bei der „Zauberflöte“ klappt es, die hat Weißenborn im
Repertoire, außerdem „Der Barbier von Sevilla“, „Der Bettelstudent“
und „My Fair Lady“. ... Dass Marionetten auch andere
Strawinsky-Stücke tanzen können, beweist Günther Weißenborn mit dem
„Feuervogel“. Mit nur einem weiteren Spieler und einem Assistenten
bringt er das Werk auf die fantasievoll ausgestattete, von zahlreichen
computergesteuerten Scheinwerfern kunstvoll beleuchtete Bühne. Die zwölf
Prinzessinnen hängen je zu sechst an einer Stange, und beim Höllentanz
vollführt der Zauberer Sprünge, um die ihn jeder Kollege aus Fleisch und
Blut nur beneiden kann. Das gewinnt gegen Schluss hin eine geradezu
Schwindel erregende Dynamik.
Nicht einmal vor dem „Sacre“ hat Weißenborn Halt
gemacht, auch wenn der ihn anderthalb Jahre Arbeit gekostet hat. Wissend um
die Tatsache, dass man bei diesem Stück eine echte Choreographie „nicht
durch Bewegungen toppen kann“, hat er in seiner Inszenierung „die
Unerbittlichkeit des Opfers“ zu betonen versucht, auch den „Voyeurismus“
und die „brutale Geilheit“, die damit verbunden sind.
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Dazu schuf er an Georg Baselitz angelehnte große,
unbewegliche Holzpuppen, die sich wie Schachfiguren dem unausweichlichen
Ende zubewegen. Darüber hinaus gibt es nur drei Gliederpuppen, die beiden
Priester und das Opfer. Sie sind in Weißenborns Deutung die einzigen
„höher entwickelten Wesen, aber eine Frau darf in diesem sozialen
Gefüge nicht höher entwickelt sein, deshalb muss sie sterben“.
...

„Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, Menschen für
die Oper zu begeistern“, betont Weißenborn. „Ich bin Puppenspieler
und kein Pädagoge.“ Das klingt nun aus seinem Munde ausgesprochen
provokant, hat doch gerade er in den letzten Jahren das Marionettentheater
höchst erfolgreich in die Kinder- und Jugendkonzerte der großen
Sinfonieorchester eingeführt und mit seinen Programmen sogar schon die
Berliner Philharmonie drei Mal bis auf den letzten Platz gefüllt. Das
erste dieser Programme war „Peer Gynt“ mit der Musik von Edvard Grieg,
bei dem ein Schauspieler und eine Puppe vor dem Orchester in einer sechs
Meter breiten Bettenlandschaft mit 36 farbigen Plumeaus agieren. Eine
weitere klassische Schauspielmusik, die komplette von Mendelssohn,
verwendet Weißenborn beim „Sommernachtstraum“, durch den er auch als
Erzähler führt. Bei Poulencs „Babar“ kommen zwanzig Plüschelefanten
zum Einsatz, und die Besucher dürfen eigene Kuscheltiere mitbringen. Eine
ganz besondere Behandlung schließlich erfährt Ravels „Boléro“, den
eine von Ursula Weißenborn geführte Jim-Knopf-Marionette zusammen mit
einem Mitglied der Pina-Bausch-Truppe tanzt.
Nicht nur im Falle der zu diesem Zweck komponierten Werke
von Grieg und Mendelssohn bietet es sich ja an, klassische Musik auch zur
Begleitung von Sprechstücken einzusetzen. Günther Weißenborn tut das
gerne beim Kinderprogramm. „Das fing damit
an“, erzählt er, „dass wir für die ersten Inszenierungen
Umbaumusiken brauchten und mit dem gängigen Kinder-Pop nicht klarkamen.
Wir haben dann die C-Dur-Sinfonie von Bizet genommen. Das hat gepasst, und
so haben wir das beibehalten.“ Heute hören in Wuppertal „Jim Knopf
und die wilde Dreizehn“ Beethovens „Pastorale“, „Kalif Storch“
Schubert, „Der Räuber Hotzenplotz“ Dvorák und „Der Froschkönig“
Johann Strauß. ...
Eine richtige neue Marionettenoper aber wird es demnächst
in Wuppertal geben, denn Ursula und Günther Weißenborn haben bei
Lutz-Werner Hesse ein etwa einstündiges Werk für Bariton und sieben
Instrumente in Auftrag gegeben. Wenn nicht alle Fäden reißen, soll bald
Uraufführung sein.
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Peer Gynt bei den
Trollen
Gleich die erste Frage führt in medias res: „Wodurch unterscheiden sich
Mensch und Troll?“ Und die Antwort den Helden ins
philosophisch-sophistische Fach: „Die unterscheiden sich wohl nicht sehr,
Großtroll will zwicken – und Kleintroll will zwacken, ganz wie bei uns,
wenn’s nur erlaubt wäre.“ Es mag wohl vor allem dieser Satz sein, der
– aufgrund seiner Märchentauglichkeit – den erfahrenen Puppenspieler
Günther Weißenborn dazu anregte, das nicht eben leicht zu verdauende Drama
„Peer Gynt“ für Kinder und Jugendliche sinnlich erfahrbar und leichter
verständlich zu machen. Weißenborn löste die Troll-Szene aus dem
Dramen-Gesamtkontext heraus, bediente sich der lyrischen „Peer Gynt-Suiten“
von Edward Grieg und entwickelte daraus das Konzept eines „szenischen
Konzerts für die ganze Familie“ mit dem Titel „Peer Gynt bei den
Trollen“.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.2.2002
Eines der spannendsten und
wundervollsten Musiktheater-Erlebnisse der letzten Zeit gab es in der
Stadthalle zu sehen: Peer Gynt bei den Trollen. Ein zauberhaftes Stück
Musiktheater!
Diana Loos, Westdeutsche Zeitung, 10.5.2000

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Peer wird charmant dargestellt von
dem Schauspieler Siegfried W. Maschek, die Puppen der Trolle, von seiner
Mutter und seiner Freundin werden von Ursula und Günther Weißenborn, den
Gründern des Theaters, bewegt. Die Spieler sind schwarz gewandet, aber
stets sichtbar. ... Hier wurden die Kinder nicht bedient,
sondern gefordert; man hat ihnen nicht nur ein Produkt, sondern eine
Geschichte vermittelt, die sich weiterzeugt beim Blick in die Wolken, beim
Spiel mit den Kissen.
Peter Uehling, Berliner Zeitung, 26.2.2002
Den Bochumer Symphonikern, diesmal
unter der Leitung des jungen Dirigenten Golo Berg, war anzumerken, dass auch
sie großen Spaß an dieser Form des „Peer Gynt“ hatten. Die
schauspielerische Leistung des „Peer Gynt“ war absolut überragend.
Insgesamt harmonierten Musik und szenische Darstellung und machten aus Peer
Gynt ein schönes Sonntagserlebnis, an das man als Kind noch lange
zurückdenken wird.
ml, Ruhr Nachrichten, 24.9.2002
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John Corigliano, The Pied Piper Fantasy
Zarte Poesie und magischer Zauber bestimmten das erste Konzert, mit dem die
Reihe der Familien- konzerte des Beethovenorchester in die neue Saison ging. Auf dem Programm stand die
Sommernachts- traum-Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy in einer szenischen Fassung für Marionettentheater.
Auf Theseus, Zettel und Schnautz musste man allerdings verzichten, dafür wandelte sich Puck vom Elfen zum Marienkäfer und erhielt eine Gespielin namens Honigblüte. Die Bühne der Beethovenhalle war weitgehend abgedunkelt, Dirigent Wolfgang Lischke verschwand hinter einem mächtigen Baum. Eine wunderbare imaginäre Kraft lag im
Spiel des Marionettentheaters von Günther und Ursula Weißenborn, faszinierend auch die geradezu zeitlupenhafte Ruhe der Vorgänge auf der Bühne.
Die Inszenierung nahm den feinsinnigen Charakter der Musik auf, aber auch ihren leichtfüßigen Humor, etwa wenn Puck sich mittels eines kleinen Propellers auf dem
Rücken durch die Luft bewegte. Da konnten Klein und Groß wieder das Staunen lernen.
Mathias Nofze, Generalanzeiger, Bonn
und: Das Orchester 2/2006
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